Datum
04.05.2026
Antrag
Der Stadtrat möge beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt, einen kommunalen Hitzeschutzplan für die Stadt Königsbrunn zu erstellen und dem Stadtrat zur
Beschlussfassung vorzulegen.
Dabei sollen insbesondere folgende Maßnahmen geprüft und berücksichtigt werden:
- Entwicklung eines Hitzeschutzkonzepts mit besonderem Fokus auf vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Seniorinnen und Senioren, Kinder, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke sowie Menschen, die regelmäßig im Freien arbeiten.
- Orientierung an bewährten Best-Practice-Beispielen anderer Kommunen, um eine möglichst kosteneffiziente Umsetzung sicherzustellen. Dabei sind vorhandene Förderprogramme von Bund und Freistaat Bayern vorrangig zu nutzen.
- Ausbau öffentlich zugänglicher Trinkwasserversorgung durch zusätzliche Trinkwasserbrunnen und Wasserentnahmestellen.
- Verbesserung des Mikroklimas im Stadtgebiet durch zusätzliche Wasserspiele, schattenspendende Begrünung, klimaresiliente Baumpflanzungen sowie mobile Schattenspender.
- Entwicklung eines Programms für vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (Vorratsbaumpflanzungen).
- Erstellung eines Hitzeaktionsplans mit Informations-, Warn- und Unterstützungsmaßnahmen für Bevölkerung, Schulen, Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen und weitere soziale Einrichtungen.
- Prüfung der Einrichtung sogenannter „Kühler Orte“ in öffentlichen Gebäuden.
Begründung
Die zunehmende Anzahl von Hitzetagen stellt auch Königsbrunn vor neue Herausforderungen. Insbesondere ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen leiden unter den gesundheitlichen Folgen langanhaltender Hitzeperioden. Gleichzeitig sind zahlreiche Menschen, die beruflich überwiegend im Freien tätig sind, den steigenden Temperaturen in besonderem Maße ausgesetzt. Dies betrifft unter anderem Beschäftigte des städtischen Bauhofs, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Garten- und Landschaftsbau, auf Baustellen sowie weitere Berufsgruppen, die ihre Arbeit auch während extremer Hitze im Freien verrichten müssen.
Hitze ist inzwischen eines der größten Gesundheitsrisiken in Deutschland. Nach aktuellen Berechnungen des Robert Koch-Instituts wurden allein im Jahr 2023 rund 3.100 hitzebedingte Todesfälle verzeichnet. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen sowie Kleinkinder und Säuglinge.
Zum Vergleich: Im Jahr 2023 kamen in Deutschland 2.839 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Damit forderte extreme Hitze in Deutschland mehr Todesopfer als der gesamte Straßenverkehr. Während Verkehrssicherheit seit Jahrzehnten zu Recht als zentrale öffentliche Aufgabe verstanden wird, erfordert die zunehmende Hitzebelastung eine vergleichbare Aufmerksamkeit im Bereich des Gesundheitsschutzes.
Die gegenwärtigen Zahlen dürfen dabei nicht als Ausnahmeerscheinung verstanden werden. Vielmehr ist nach Einschätzung zahlreicher Fachinstitutionen davon auszugehen, dass die Belastungen durch Hitze in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden. Wer heute vorsorgt, schützt nicht nur die Bevölkerung vor vermeidbaren Gesundheitsrisiken, sondern vermeidet auch deutlich höhere Folgekosten in der Zukunft.
Neben den gesundheitlichen Folgen entstehen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden. Studien gehen davon aus, dass extreme Hitzeereignisse die Arbeitsproduktivität deutlich reduzieren. Nach Berechnungen von Allianz Trade könnten sich die wirtschaftlichen Schäden durch zunehmende Hitzeereignisse in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf mehr als 100 Milliarden Euro summieren.
Viele Kommunen haben daher bereits kommunale Hitzeaktions- und Hitzeschutzpläne entwickelt und erfolgreich umgesetzt.
So baut die Stadt Augsburg im Rahmen ihrer Hitzeschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen kontinuierlich ihr Netz öffentlicher Trinkwasserbrunnen aus und verbessert damit die kostenlose Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser an heißen Tagen.
Die Stadt Mannheim hat ein System sogenannter „Kühler Orte“ etabliert und stellt Bürgerinnen und Bürgern digitale Informationen zu Rückzugsorten während Hitzeperioden zur Verfügung.
Die Stadt Karlsruhe setzt auf die gezielte Verschattung öffentlicher Räume sowie Maßnahmen zur Reduzierung der Hitzebelastung in besonders stark versiegelten Bereichen.
Die Stadt Köln hat ein kommunales Hitzeschutzportal aufgebaut und erweitert kontinuierlich das Angebot öffentlicher Trinkwasserstellen sowie die hitzeresiliente Gestaltung öffentlicher Räume.
Diese Beispiele zeigen, dass wirksame Maßnahmen bereits erprobt sind und nicht neu entwickelt werden müssen. Gerade vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage erscheint es sinnvoll, auf erfolgreiche Best-Practice-Beispiele anderer Kommunen zurückzugreifen und diese auf die örtlichen Gegebenheiten Königsbrunns anzupassen.
Besonders wichtig erscheinen hierbei der Ausbau von Trinkwasserangeboten, die Schaffung zusätzlicher Wasserspiele im Zentrum, die Pflanzung schattenspendender Bäume, die Bereitstellung mobiler Schattenspender, die Ausweisung sogenannter „Kühler Orte“ sowie die Durchführung von Vorratsbaumpflanzungen als vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen.
Der beantragte Hitzeschutzplan dient damit sowohl dem Schutz der Gesundheit der Königsbrunnerinnen und Königsbrunner als auch der langfristigen Anpassung unserer Stadt an die bereits heute spürbaren Folgen zunehmender Hitzeperioden. Er stellt eine vorausschauende Investition in die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit Königsbrunns dar.
